BIA-ALCL ist eine seltene Form von Lymphdrüsenkrebs, die sich in der Flüssigkeit oder der Kapsel um ein Brustimplantat bilden kann. Mit Brustkrebs hat sie nichts zu tun. Fast alle bekannten Fälle betreffen makrotexturierte Implantate, also Implantate mit stark aufgerauter Oberfläche. Früh erkannt ist BIA-ALCL gut behandelbar, meist reicht die Entfernung von Implantat und Kapsel. Ohne Beschwerden ist eine vorsorgliche Entfernung nicht nötig.
Was ist BIA-ALCL?
BIA-ALCL steht für Brustimplantat-assoziiertes anaplastisches großzelliges Lymphom, englisch breast implant-associated anaplastic large cell lymphoma. Die Abkürzung ALCL bezeichnet die Art des Lymphoms. Es ist eine Erkrankung der weißen Blutkörperchen, genauer der T-Zellen. Sie entsteht nicht im Brustgewebe, sondern in der Bindegewebskapsel, die sich um jedes Implantat bildet, oder in Flüssigkeit, die sich dort ansammelt. Typisch für BIA-ALCL sind Zellen, die das Merkmal CD30 tragen. Die Weltgesundheitsorganisation führt das brustimplantat-assoziierte Lymphom seit 2016 als eigenes Krankheitsbild, also als eigene Tumorentität.
Wie häufig ist BIA-ALCL?
BIA-ALCL ist selten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat bis Ende Juni 2024 weltweit 1.380 Fälle erfasst, darunter 64 Todesfälle. Dem stehen weltweit mehr als 10 Millionen Trägerinnen von Brustimplantaten gegenüber. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic schätzt, dass etwa eine von 3.000 bis 30.000 Frauen mit Brustimplantaten an BIA-ALCL erkrankt. Wie hoch das Risiko im Einzelfall ist, hängt stark von der Oberfläche des Implantats ab.
Welche Implantate sind betroffen?
Der wichtigste Faktor ist die Oberfläche. Von den 1.380 Fällen der FDA hatten 73 Prozent texturierte Implantate und nur 3 Prozent glatte, bei den übrigen ist die Oberfläche nicht bekannt. Bei nur einem einzigen Fall ist gesichert, dass die Patientin nie ein texturiertes Implantat hatte. Die Füllung spielt keine Rolle: Das Risiko ist bei Brustimplantaten aus Silikon nicht anders als bei solchen mit Kochsalz. Betroffen sind vor allem makrotexturierte Implantate mit großer, rauer Oberfläche. Ein Hersteller musste solche Implantate 2019 weltweit vom Markt nehmen.
BIA-ALCL und Motiva®-Implantate
Dr. Rolf Bartsch verwendet vor allem Implantate von Motiva® mit nanotexturierter, also sehr fein strukturierter Oberfläche. In der Zulassungsstudie für die FDA und in den Implantatregistern aus Australien und den Niederlanden wurde für diese Implantate bisher kein Fall von BIA-ALCL berichtet. Ein Risiko von null bedeutet das nicht. BIA-ALCL tritt im Median erst 8 Jahre nach der Implantation auf, und viele dieser Daten reichen noch nicht so weit zurück.
Mehr zu den Oberflächen von Implantaten lesen Sie im Beitrag Runde oder anatomische Implantate?.
Symptome: Woran erkennt man BIA-ALCL?
BIA-ALCL zeigt sich meist erst Jahre nach der Operation, laut FDA im Median nach 8 Jahren. Die häufigsten Anzeichen in den Fällen der FDA waren:
- eine Flüssigkeitsansammlung um das Implantat (Serom), oft mit einer plötzlich stark geschwollenen Brust, in fast der Hälfte der Fälle,
- Schwellung oder Schmerzen in der Brust,
- eine Verhärtung der Kapsel,
- ein tastbarer Knoten an der Brust oder in der Nähe des Implantats.
Bei etwa einem Drittel der Patientinnen sind auch die Lymphknoten in der Achsel vergrößert. Eine Kapselfibrose allein ist aber kein Zeichen für BIA-ALCL. Schwillt eine Brust Jahre nach der Brustvergrößerung plötzlich an, lassen Sie das bitte rasch abklären.
Wie wird BIA-ALCL festgestellt?
Zuerst wird die Brust mit Ultraschall untersucht. Hat sich Flüssigkeit um das Implantat gesammelt, wird sie mit einer feinen Nadel abgesaugt und im Labor untersucht. Diagnostisch entscheidend ist der Nachweis von CD30-positiven Zellen. Diese Untersuchung können heute viele Labore durchführen. Bei einem Knoten wird zusätzlich eine Gewebeprobe entnommen.
Wie wird BIA-ALCL behandelt?
Im frühen Stadium wird das Implantat mitsamt der gesamten Kapsel entfernt. In den meisten Fällen reicht das aus. Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, ist zusätzlich eine Chemotherapie nötig. Weil BIA-ALCL meist langsam verläuft, ist die Prognose gut, wenn sie früh erkannt wird. Wie eine Entfernung abläuft, beschreiben wir auf der Seite Implantatentfernung.
Sollte ich meine Implantate vorsorglich entfernen lassen?
Nein, ohne Beschwerden ist eine vorsorgliche Entfernung oder ein Wechsel nicht nötig. Das empfiehlt auch die FDA. Wichtiger sind regelmäßige Kontrollen. Wir raten in den ersten 10 Jahren zu einem Ultraschall mindestens alle 2 Jahre und danach zu jährlichen Kontrollen. Mehr dazu im Beitrag Wie lange halten Brustimplantate?. Auch die Deutsche Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie informiert Patientinnen über BIA-ALCL im Zusammenhang mit Brustimplantaten.
Häufige Fragen zu BIA-ALCL
Ist BIA-ALCL eine Form von Brustkrebs?
Nein. BIA-ALCL ist ein Lymphom, also eine Krebserkrankung des Immunsystems. Es entsteht in der Kapsel um das Implantat und nicht im Brustgewebe.
Kann BIA-ALCL auch bei glatten Implantaten auftreten?
Bei glatten Implantaten ist BIA-ALCL eine absolute Ausnahme. Von allen Fällen der FDA ist nur bei einem einzigen gesichert, dass die Patientin ausschließlich glatte Implantate hatte.
Betrifft BIA-ALCL auch Implantate nach einer Brustrekonstruktion?
Ja. Das Risiko hängt vom Implantat ab, nicht davon, ob es für eine ästhetische Brustvergrößerung oder für eine Rekonstruktion nach Brustkrebs eingesetzt wurde.
Ich habe texturierte Implantate. Was soll ich tun?
Ohne Beschwerden müssen Sie nichts sofort unternehmen. Lassen Sie Ihre Implantate regelmäßig kontrollieren und kommen Sie zur Abklärung, wenn eine Brust plötzlich anschwillt. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, besprechen wir gerne in einer Beratung.
Ihre Beratung zu Brustimplantaten
In der Beratung untersucht Dr. Bartsch Ihre Brust, kontrolliert die Implantate im Ultraschall und bespricht mit Ihnen, ob eine weitere Abklärung, ein Implantatwechsel oder eine Entfernung sinnvoll ist. Alles zur Operation finden Sie auf der Seite Brustvergrößerung in Wien.
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