Breast Implant Illness

Machen Brustimplantate krank? – Breast Implant Illness

“Breast Implant Illness” im Faktencheck:

Kann ich durch ein Brustimplantat systemisch krank werden?

Wer sich online – insbesondere auf US-amerikanischen Websites und Diskussionsforen – über das Thema Brustimplantate informiert, stößt früher oder später auf den Begriff “Breast Implant Illness” (BII), also: Erkrankungen, die mit Brustimplantaten im Zusammenhang gebracht werden.

Facebook-Gruppen von Betroffenen sprechen sich Trost zu, Patientinnen erzählen, wie viel besser sie sich fühlen, seitdem die Implantate bei einem neuerlichen Eingriff wieder entfernt wurden. Sollten Sie selber gerade eine Brustvergrößerung mit Implantat erwägen, tragen solche Berichte natürlich zur Verunsicherung bei. Wir haben deshalb häufige Ängste und Fragen unserer Patientinnen gesammelt.

Welche Nebenwirkungen hat eine Brustvergrößerung mit Implantaten?

Jede Operation kann Nebenwirkungen mit sich bringen. Post-operativer Schmerz und der normale Wundheilungsprozess sind von Mensch zu Mensch verschieden. Zu den bekannten Nebenwirkungen einer Brustvergrößerung zählen u.a.: Narbenbildung, vorübergehende Brustschmerzen, Infektionen und sensorische Veränderungen.

(→ Informationen über assoziierte Krankheiten bzw. etwaige Folgeeingriffe finden Sie hier und hier.)

Doch auch wie bei jeder Liste von Nebenwirkungen, die jedem Medikament beiliegt, muss man auch hier klar zwischen “häufigen”, “seltenen” und “sehr seltenen” Nebenwirkungen unterscheiden. Wenn Sie im Internet etwas gelesen haben, dass Sie verunsichert, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt darüber.

“Breast Implant Illness” – ist das auch eine post-operative Folge der Brustvergrößerung?

Da gibt es einen klaren Unterschied: die oben beschriebenen Nebenwirkungen stehen in eindeutigem Zusammenhang mit dem Eingriff. Ganz banal gesagt: Sie werden keine Ohrenschmerzen von einer Brust-OP bekommen. Dass Sie vorübergehend schmerzempfindliche Brüste haben, liegt aber auf der Hand. “Breast Implant Illness” bezieht sich nicht auf Symptome, die direkt auf die Operation zurückzuführen sind. Es ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen, die in zeitlicher Nähe beobachtet wurden. Das bedeutet nicht, dass es einen Kausalzusammenhang gibt, dieser kann derzeit auch nicht pauschal ausgeschlossen werden. Diesen Zusammenhang zu klären ist ein großes Thema und wird gerade erforscht. Patientinnen beschreiben eine allgemeine körperliche Schwäche, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Schwellung von Lymphknoten,… Manchmal ist es die Diagnose „Fibromyalgie“.

Ist “Breast Implant Illness” also reine “Wichtigmacherei” im Internet?

Absolut nicht! Die Betroffenen sind krank, leiden mitunter an Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder Sklerodermie. Es gibt aber keine wissenschaftlichen Studien, dass diese Erkrankungen in Zusammenhang mit den Implantaten stehen. Sogenannte “Vergiftungen” durch Implantate werden derzeit viel diskutiert, aber sind durch nichts bewiesen. Gäbe es diese, würde ein schnelles Verbot kommen. Brustimplantate unterliegen strengen Regulatoren, medizinischen Zulassungsbestimmungen und Kontrollen.

Das Immunsystem kann also nicht durch Brustimplantate krank werden?

Von unserem Team wurden in den letzten zehn Jahren über 1.000 Implantat-Patientinnen betreut. Dabei haben wir keine Verbindung zu Autoimmunerkrankungen sehen können. Tatsache ist jedoch, dass man nie einer Patientin, deren Immunsystem geschwächt ist, Implantate einsetzen sollte. Sobald der Einheilungsprozess des Implantats stattgefunden hat – also ca. 6 Wochen nach der OP – ist das Implantat abgekapselt und eine Fremdkörperreaktion ist dann sehr unwahrscheinlich.

Welche Empfehlungen gibt es für Patientinnen?

Sie sollten die Brust selber beobachten und regelmäßig untersuchen lassen. Das gilt allerdings für alle Frauen – mit oder ohne Implantat. Gehen Sie zur Mammographie. Weiters sollten Sie sich keiner Operation – mit und ohne Implantaten – unterziehen wenn Ihr Immunsystem geschwächt ist. Bei anderen Krankheitssymptomen wie den oben beschrieben nach einer Brustoperation sollten Sie auf jeden Fall mit Ihrer Ärztin oder Arzt Kontakt aufnehmen.